info : 10/2005

INFORMATION

Augenblicke werden zu Jahren. Bäume werden zu Papier.
Feinde werden zu Freunden. Dendemann bleibt: DENDEMANN.

Gut zwei Jahre waren ins Land gegangen, seit wir seine wie mit altem schottischen Hochland Whiskey gespülte Stimme zuletzt über die Länge eines Albums vernommen hatten. Zwei Jahre, in denen das prägnanteste Organ mit Hip Hop Kennzeichen „D“, ausser Gerüchten und ein paar low-key Features nix gestreut hatte. Was also war passiert?

Nun, nach Auflösung seiner sagenhaften Band eins zwo begann ein Leben im Privaten. Ein Abwarten. Beobachten. Gemischt mit einer leisen Verzweiflung über das Monster, zu dem Hip Hop hierzulande mittlerweile mutierte. Um so mehr fehlte dieser Mann, der schon auf seinem ersten Tonträger „Sport“ (1998) den uralten Kampf derer mit der freiheitlichen Gesinnung gegen die Spiesser im Hip Hip Kosmos aufzuzeigen vermochte: “nach einigen Heineken war er dann fit, mich noch mal so richtig zu peinigen, er meint ‘er repräsentiert sein Viertel und seine Pardybrüder‘ - ich repräsentier die Welt, wie Hardy Krüger!“

Und dann das: wie aus heiterem Himmel kam er von seinem entrückten Fensterplatz zurück in die Mitte einer Wirklichkeit, die er einstmals mitgeschaffen hatte, aber bei aller Liebe kaum noch wiedererkannte. Nur noch neidische Hater, bellende Aggros und unverblümt geldgeile Huren des Pop Kapitalismus, wo man auch hinsah. Der Aufstand der Unbegabten. Ein schlimmes Gemetzel. Übrig blieb ein Hip Hop Trümmerhaufen – aus dessen Asche er sich aber nicht alleine erheben musste:

Einer der ersten alten Weggefährten, die ihm in Hamburg Stadt im Sommer 2003 über den Weg liefen, war nämlich Eizi Eiz von den Beginnern, der sogleich spontan eine grosszügige Einladung aussprach, die 27 November Konzerte der Beginner zu eröffnen. Dendemann gab dem Mann ein „Ja“... und rannte gleich herüber an den Ort, wo seit Juli neue Musik von ihm entstanden war und kratzte die schönsten sechs Aufnahmen zusammen. Knapp 20 Minuten klassisches Material.

Fünf Songs und ein Intro sind nun also auf der aktuellen EP mit dem Titel „DasSchweigenDilemma“, die ohrenscheinlich erstmal da anknüpft, wo das eins zwo Album Nummer „Zwei“ im Jahre 2001 abgeschlossen hatte: Ausgefuchster MPC 3000 Jazz und um die Ecke gesprochene Poetik, die mitten in Herz und Hirn zielt, um sie soweit zu befreien, dass auch der Arsch gedankenlos, aber nicht unschuldig, mitwackeln kann. Wieder mischt sich direkt greifbar Privates („Lieblingsmensch“) mit Hip Hop Politik („So siehts aus“), vermengen sich gelebte Weisheiten („Saldo Mortale“) mit grundsympathischer, unverwüstlicher Bescheidenheit („Lotta Songs/Bad Rhymes“). Als DJ lud er sich dazu Mirko Machine ins Studio, der inzwischen auch live diesen Part übernimmt.

Seit Ende der Beginner Tour ging es direkt zurück in das Zimmer mit Kabelsalat und Macintosh Festplatte, ein Album basteln, und zwar eines, das den Hammer noch viel höher hängt, als man sich das anhand von „DasSchweigenDilemma“ überhaupt schon vorstellen kann.

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Web: www.dendemann.com