info : 04/2004

www.stereodeluxe.com

Discographie
1999 Cavewomen 12“ (Stereo Deluxe)

2000 Return Of The Coconut Groove 12“ (Stereo Deluxe)

2001 Coconut Groove Remixes 12“ (Stereo Deluxe)

2003 Echo Parcours CD und DLP (Stereo Deluxe)

INFORMATION

Es gibt in der Tat eine ganze Menge Beneidenswertes an Trio Elétrico. Die gewissenhafte Abgeklärtheit z.B., mit der die Musiker über die Ursprünge ihrer Formation als reines „DJ Tool“ berichten. Oder die kalauerbereinigte Selbstverständlichkeit der Namenswahl der bis vor einem halben Jahr zu zweit operierenden Nürnberger („Trio Elétrico“ oder „The Electric Trio“ bezeichnet ein seit 1950 stattfindenden Straßenkarneval in Salvador, der jährlich mehrere Hunderttausend Menschen anlockt). Oder ganz einfach die entspannte Attitüde hinsichtlich ihrer zeitnahen Karriereplanung: Denn obwohl sich das Unternehmen Trio Elétrico für Peter Heider, Ekki Elétrico und Peter Hoppe ausnehmend gut anlässt, herrscht - bei aller künstlerischer Seriosität - weitestgehend eine wohltuende konzeptionelle Zwanglosigkeit.

Sicher. Es handelt sich bei den drei Mitgliedern keineswegs um irgendwelche jungen Hüpfer, die die Veröffentlichung ihres Debütalbums mit ungestümem Dogmatismus überfrachten - aus Angst, eine solche Chance auf absehbare Zeit nicht wieder zu bekommen. Vielmehr umgibt sich die Band mit einer abgehangenen Attitüde zwischen unangestrengtem Don’t-Give-A-Fuck und freundlichem Understatement.

Peter Heider erarbeitete sich in den vergangenen Jahren als Hälfte des Hardcore-Slo-Mo-Duos Boozoo Bajoo weltweit einen hervorragenden Namen. Nebst einhelliger Wertschätzung seitens Kritiker und Konsumenten fanden die bisherigen Alben „Satta“ und „Juke Joint“ zwischen San Francisco und Saporro mehrere zehntausend begeisterter Käufer. Zuvor tourte der Schlagzeuger u.a. gemeinsam mit Keyboarder und Trio-Elétrico-Kollege Peter Hoppe als Mitglied des Ambient-Triphop-Acts Dein Zyan durch die Lande, mit der er beim EMI-Sublabel „Spin“ Mitte der Neunziger ein Album veröffentlichte.

Bereits seit Jahren bereist Ekki Elétrico in seiner Funktion als DJ die Welt, um den Soundlovers zwischen Barcelona und Sidney, zwischen Kiew und Mexiko City den einzigartigen Eletrico-Style näher zu bringen. Ekkis Ehrgeiz, seine Sets mit individuellen Tracks anzureichern, führte letzten Endes zur Entstehung der gemeinsamen Produktionsgemeinschaft. Der ungefähre Zeitpunkt der Gründung ist deshalb kaum mehr zu lokalisieren wird rückblickend grob auf irgendwann Ende der Neunziger festgesetzt. Seit dieser Zeit hat es das Trio auf die Veröffentlichung von zwei 12Inchs („Cavewoman“, „Coconut Groove“) bei Stereo De Luxe gebracht und veredelte diverse Werbespots („Rover Mini Cooper“ in England, „Bacardi Silver“ in den USA) mit seinen Tracks. Darüber hinaus fertigten die drei zahlreiche Remixe (The Strike Boys, Vivid u.a.) und Compilation-Beiträge („Future Lounge“, „Dope On Plastic“, „Café Solaire“, „Neue Heimat“, etc.) an. Gemeinsam mit Tommy Yamaha - einem weiteren Vertreter der „Nürnberger (Stereo De Luxe) Schule“, zu der man neben Boozoo und Trio Elétrico auch die Strike Boys zählen darf – bastelt er unter der Side-Projektbezeichnung „Yamaha Elétrico“ hin und wieder an Tracks.
Im November 2003 erscheint nun mit „Echo Parcours“ das überfällige Debütalbum, dessen stilistische Bandbreite die Band selbst zwischen Dub, Breakbeat und jazzy House verortet. „Es hat sicherlich einen Weiterentwicklung stattgefunden“, konstatiert Peter Heider, „die Stücke sind nicht mehr ganz so rasant wie zu der Zeit, als wir ausschließlich für den Einsatz im Club produzierten. Unsere Songs sind jetzt weitaus musikalischer.“ „Unsere Musik wurde genau so produziert, wie wir uns fühlen,“ erklärt Ekki, „einfach sehr entspannt. Wir gehen sehr relaxt an die Sache ran.“

Dabei achten Trio Elétrico trotz hoher Technik-Affinität streng darauf, Fremdsamples zu vermeiden und vorzugsweise jeden Sound eigenhändig zu kreieren. Stellt sich allerdings der Partikel eines Musikstücks eines anderen Künstlern als unverzichtbar heraus, so wird die Passage in liebevoller Detailarbeit im heimischen Studio nachempfunden. Unterstützt wird das Trio, das sich seine Inspiration u.a. bei gemeinsamen Rehearsals holt, von einer ganzen Reihe Freunde und Kollegen. So steuerten u.a. Sänger / MC Don Caramellow und Gitarrist Dirk Hess (der Peter Heider bereits bei diversen Boozoo-Bajoo-Aufnahmen hilfreich zur Seite stand) ihren Teil bei.

Elementarstes Kriterium beim Wertschöpfungsprozess, der von der Komposition über Recording bis zum Mastering kompromisslos in der Alleinverantwortung der drei Bandmitglieder liegt, ist die unbedingte Funkyness des Outputs. „Ich bin mit schwarzer Musik groß geworden und bin in meinem Leben viel in Amerika gewesen“, erklärt Heider, „das hat mich sicherlich wesentlich beeinflusst“. Doch auch für die kontemporäre, europäische Variante à la Groove Armada mag sich Peter Heider uneingeschränkt begeistern. Parallelen zu anderen Acts kann Ekki Elétrico dagegen kaum erkennen: „Unser Sound ist outstanding – ich kenne kaum etwas Vergleichbares...“

Und auch in punkto Live-Präsentation könnten sich parallelen zu den britischen Elektronik-Duos auftun. „Live können wir als Trio mit wechselnden Sängern auftreten“, sagt Ekki, „das Wichtigste ist, das man auch im Club mehr Entertainment bieten muss als nur einen DJ, der Platten auflegt.“
„Was unsere Musik angeht haben wir allerdings extrem hohe Ansprüche. D.h., wenn das mit der Liveumsetzung unseren Vorstellungen nicht gerecht wird, dann kann es auch gut sein, dass wir überhaupt nicht als Trio Elétrico live auftreten.“ Alternativ dazu könnte sich – wie bereits im Falle Boozoo Bayoo bestens bewährt – die pragmatische DJ-Variante durchsetzen. Diesen Job könnte dann wiederum bandintern Ekki übernehmen – muss aber nicht. Denn auch Heider hat in diesem Metier bereits seine Erfahrungen gesammelt. Und da ist sie wieder. Die unverkrampfte Entspanntheit, das sympathische „kann-muss-aber-nicht-Prinzip“, dass Trio Elétrico auszeichnet und das nur ein einziges übergeordnetes Bewertungskriterium kennt: Die Qualität.

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