review: hiphop

M.I.A. - Arular

Der Mensch Maya Arulpragasam hat ein bewegtes Leben: geboren in London, aufgewachsen in Sri Lanka. Der Vater Gründungsmitglied der tamilischen Rebellenorganisation EROS, die Mutter diejenige, die zusammen mit Maya und ihren Geschwistern in den 80ern, als der Bürgerkrieg am heftigsten tobt, über Indien wieder zurück in die englische Hauptstadt flieht.

LDN - dort lernt M.I.A. Englisch und die westliche (Pop-)Kultur kennen, studiert schließlich sogar. Kunst.
Mit ihren Werken versucht sie, ihre eigene Vergangenheit zu verarbeiten und die gegenwärtigen Betrachter nachdenklicher zu machen.
Durch Zufall kommt sie zur Musik. Sie nimmt nicht mehr ganz so oft Schablonen und Sprühdosen in die Hand, dafür macht sie mit Roland rum. Roland MC-505.
Herauskommt: "Galang". Mayas erster Hit.
Der hört sich an, wie ein Weltempfänger, der sich nicht zwischen den Frequenzen der Undergroundradiostationen aus Kingston, Rio, New York und London entscheiden kann.
Einer, dessen Genre-Anzeige ständig zwischen Dancehall, Baile Funk, HipHop und Grime hin und her springt.
Einzige Konstante neben dem Bass: die Stimme der Moderatorin.
Die bleibt gleich, auch wenn Ihr Akzent nicht wirklich darauf schließen lässt, aus welcher der genannten Metropolen sie nun kommt.
Aber was kümmert im Jahr 2004 schon der Ort?
Die Zeit ist jetzt und die Zeit ist reif für die "Post-Weltmusik", wie Mayas Platten inzwischen schon beschriftet werden.
Wenn Globalisierung so aussieht, wie ihre Klamotten und Artworks, und sich anhört wie die 14 Titel auf "Arular" – Mayas erstem offiziellen Album, kann die gar nicht so schlecht sein, wie alle immer tun.
Auch nicht live und direkt, wenn man dem selbsternannten "lebendigen Mixtape" glauben darf:
"Wenn ihr zu mir kommt, dann ignoriert mich, ich werde einfach da sein. Ich möchte Leute zusammenbringen, verkuppeln. Macht die Tür zu, lasst alle tanzen und sich besaufen. Und ich bring ihnen neue Musik.
Diplo [Anm.: Big Dada/Hollertronix], mein DJ, spielt in Philadelphia. Ich hab ihn da gesehen, und so will ich auch, dass meine Gigs funktionieren. Da waren lauter Verrückte, es war Halloween. Alle als Bin Laden oder Scheichs oder US-Soldaten verkleidet, und irgendwann sind sie in der Ecke gelandet und haben gevögelt."
Am 02. Juli wird M.I.A. zusammen mit Diplo im Münchner Atomic Café auftreten.

www.miauk.com

03.05.2005 / 1210er / mail


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