review: funk/soul

V/A - Cheatin' Soul comp. by Jonathan Fischer

Erst kürzlich kam die Frage auf: Was ist eigentlich Soul? Derzeit propagieren ihn die großen Major als durchtrainierten Minderjährigen, der betont schmalzig über hastig produzierte Hiphop-Beats singt. "Cheatin' Soul And The Southern Dream Of Freedom" hat damit rein gar nichts zu tun. Das deutsche Trikont-Label liefert hier den wahren Soul. So wie man ihn einst im Süden Amerikas zu Zeiten des frühen Ray Charles sang und noch immer bei seinem Nachkommen fühlt.

Grundthematik sind – wie der Titel schon besagt – Ehebrechen, Bettgeschichten und andere Betrugsfälle in der Partnerschaft. Opfer wie Täter offenbaren Herzschmerz vom Allerfeinsten. Keinesfalls dahingeschmalzt, sondern als vokaler Befreiungsakt aus moralischen Zwängen. Nicht gerade sparsam kommen hier die Bläser zum Einsatz, treibende Rhythmen und quietschende Hammonds wie auch unverkennbar charakterstarke Stimmen. Große Namen wie Ann Peebles oder George Jackson tauchen in der Liste auf, ebenso wie unbekannte Künstler, denen wir so manchen Soul-Hit schreiberischer Kraft verdanken. Es wird gelitten bis in den Blues hinein mit backing vocals („Right Here Is Where...“), lauthals die fehlende Geliebte beklagt („Hymn No 5“) und (schau her!) doch tatsächlich der Nebenbuhler mit „neumodischem“ Keyboard funkedelisiert ("What Was I Supposed ").

Durchweg klingt etwas Wehmut nach. Aber so ist der Süden: Schwarz bis tief in die Seele. Da können die Charthopper der Neuzeit nur neidisch zurückblicken und sich ne Scheibe Talent von abschneiden. @soulsite.de

12.09.2005 / bap / mail


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